Hangenähte Kleidung?




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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon Ike Godsey » Fr 10. Jan 2014, 11:32

nun, die entstehung des "Little Kilts" ist relativ einfach erläutert.
meines wissens nach wurde er in den "Americas" (wie man sagen würde) "erfunden". hintergrund dafür war der einmal im jahr für jeden angehörigen der highland regimenter als nachschub gelieferte stoff für das sog. "belted plaid".
diese tratans wurden damals noch von sog. "tartan weavers" gefertigt, die aufgrund ihrer gegebenheiten (in den corfts in denen sie wohnten etc. etc. etc.) nur in der lage waren, stoffe in einer breite von 3 fuss (91,5 cm) zu weben.

jeder highland-soldat erhielt 2 stücke dieses stoffes, die er selbst an der ca. 5m langen seite zusammen nähen sollte um das entspr. plaid zu erhalten.
machte es das nicht - so dachten viele - hatte man 2 kilts, die man wechseln konnte, obendrein ist der "little kilt" ein kleidungsstück, in dem man sich besser bewegen konnte als im belted plaid. er war leichter zu reinigen, schnller zu trocknen etc. etc.

nun, der rest ist eine logische folge - dass man irgendwann mal dazu überging den little kilt zu falten und dieses gefaltete stük stoff via ein paar einfacher nähte zu fixieren, dahin war der weg nicht mehr weit.
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon macbeith » Fr 10. Jan 2014, 12:52

Zum Kilt: Es gibt Abbildungen aus dem 17. Jahrhundert mit kleinem Kilt. Es gibt einige Anekdoten wie er entstanden ist. Ike hat ja bereits eine davon zum Besten gegeben.

Ein einfacher Kilt oder féileadh beag des 17. oder 18. Jahrhunderts ist recht schnell erklärt. Man nehme ca. 4,5 m Tartanstoff (je nach Körpergröße und Umfang vielleicht etwas mehr. Da der Stoff heutzutage i.d.R. 1,40 bis 1,50 breit liegt, schneidet man den Stoff der Länge nach mittig auf und versäubert von der einen Hälte die Schnittkante damit sie nicht ausfranselt. Nun misst man die Breite vom einen Hüftknochen zum nächsten, das ergibt den sog. Apron rechts und links des Kilts, also die beiden Teile die sich später überlappen sollen. Nun faltet man die übriggebliebene Stoffbahn wie beim Belted Plaid oder féileadh mhor in soviele Falten, dass der Zwischenraum von Apron zu Apron in etwa das Maß von Hüftknochen zu Hüftknochen, über die Rückseite gemessen, hat. Nun markiert man sich an den Falten die Kanten in der Höhe wo der Gürtel sitzen soll, nicht zu vergessen die Markierung am Anfang der beiden Aprons (der Kilt soll zu der Zeit bis zum Knie reichen, nicht wie beim Modern Kilt bis Mitte Knie). An den Markierungen werden jetzt Stoff- oder Lederschlaufen angenäht durch die eine gedrehte Wollschnur oder ein schmaler gürtel durchpasst. Das Ganze wird dann Drawstring-Kilt (Vorhangschnur-Kilt) genannt. Es gibt sogar ein Fundstück eines komplett erhaltenen Drawstring-Plaids aus dem frühen 19. Jahrhundert (gugelst Du). Zum Anziehen des Teils wir Gürtel oder Schnur durch die Schlaufen geführt und nun kann man das Ding einfach an den beiden Enden der Schnur aufnehmen und um die Hüfte schlingen. Schnur vorne verknoten oder Schleife rein. Nun hängen die beiden Aprons noch ein wenig selstsam herum, daher kommt hier nochmal ein breiter Ledergürtel drüber. Ich habe i.d.R. die Apron dafür übereinander gelegt (rechts drunter, links drüber) und den oberen Teil des Kilts nach außen geklappt, dann den Gürtel darüber. So, fertig ist der frühe Kilt. Aus der restlichen Stoffbahn kann man sich jetzt noch ein passendes Plaid herstellen indem man die Bahn mittig der Breite nach teilt und die beiden enstandenen Hälten wieder zusammen näht. Das wird dann getragen wie man es von Abbildungen im Civil War bei Südstaaten kennt. Ich durchforste jetzt mal meine Dateien ob ich noch Bilder finde. Ich hatte da mal was von einem befreundeten Jakobitendarsteller aus Norwegen bekommen zu einem Drawstring-Plaid aus dem man schön sehen kann wie es im Prinzip auch beim kleinen Kilt funktioniert. Meinen kann ich leider nicht mehr fotografieren, da ich mittlerweile der Einfachheit halber die Falten vernäht habe. Ist zwar nicht belegt und somit in vielen Augen un-A aber mich störts nicht solange mans beim Tragen nicht sieht.

LG
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon macbeith » Fr 10. Jan 2014, 13:17

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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon Langhachse » Fr 10. Jan 2014, 13:34

Okay. Danke für die Infos. :-D Mal schauen, vll. ergibt sich ja irgendwann mal ne Gelegenheit, son Teil zu basteln. :-D


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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon Yukon » Fr 10. Jan 2014, 15:30

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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon trommlerjunge » Fr 10. Jan 2014, 15:43

joh,in dem forum sind leute seit 2008 und 90% haben unter 20 beiträge scheint eher ein bischen langweilig zu sein
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon macbeith » Fr 10. Jan 2014, 15:52

Ich hab da auch schon mal reingeschaut, aber wenn mann des Herren MacGregors selbstgemachte Outfits kennt, sieht man wie authentisch er das Ganze darstellt. Die modernen Sachen sind gut, aber die historischen Sachen sind immer irgendwie Fantasy oder Movie. :cry:
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon Ike Godsey » Sa 11. Jan 2014, 19:53



was ist das denn für ein clan? McLumberjack? :shock:
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon macbeith » So 12. Jan 2014, 21:21

:?: ?!? :?: Was genau meinst Du? Der Stoff ist keinem Clan zugeordnet wenn Du das meinst!

LG
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Re: Hangenähte Kleidung?

Beitragvon Ike Godsey » So 12. Jan 2014, 21:24

;) genau das meinte ich... ein phantasy-tartan = McLumberjack oder zu deutsch "McHolzfäller" ;)
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