Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäusern?




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Re: Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäuser

Beitragvon Ike Godsey » So 10. Apr 2016, 10:15

Unbestritten hat Kohlebefeuerung wohl die besseren Resultate als Holzfeuer (Menge in Bezug auf Heizqualität und Brenndauer).

Dennoch, die Frage die ich mir dabei stelle ist, in wie weit kann das für unser bevorzugtes Land übertragen werden, in dem sich die Geschichte abspielte, die wir nachzustellen versuchen?

Ich überlege mir dabei, die groß dieses Land ist und damals aufgrund der fehlenden Bahnverbindungen "noch größer" erschien, wie die Verbreitung eines Brennstoffs war und wie hoch die Notwendigkeit dafür - immerhin hatte man ja Holz in Hülle und Fülle vor der Haustüre.
Kohle hingegen musste ggf. über weiter Strecken herangeschafft werden.

Weiterhin denke ich, dass eine Förderung der Kohleförderung sicherlich mit der Industrielisierung einher ging, der "Rust Belt" sei hier mal stellvertetend genannt.
(Der Rust Belt, früher Manufacturing Belt, ist die älteste und größte Industrieregion der USA. Er erstreckt sich im Nordosten der USA entlang der Großen Seen von Chicago über Detroit, Cleveland und Pittsburgh bis an die Ostküste zu den Ausläufern der Metropolregionen Boston, Washington, D.C. und New York City. Damit umfasst er Teile der Staaten Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Pennsylvania, New York und New Jersey.)

Es ist zwar bekannt, dass in Virgina der Steinkohle abbau bereit in den 1730er Jahren begann systematisch in Midlothian in Virginia, und gehört neben Erdöl zu den wichtigen heimischen Energieträgern. Die Stahlerzeugung und Industrialisierung ging vom sogenannten Rust Belt aus. Dennoch begann in den USA die Industriealisierung erst nach der Revolution von 1776.

Die erste Manufaktur war eine von einem Einwanderer aus England 1790 gegründete Baumwollspinnerei. Es folgten weitere textilverarbeitende Betriebe, die meist an den Flüssen Neu-Englands errichtet wurden. Die Hafenstädte an der Ostküste waren damals Einfallstore für die europäischen Einwanderer (man darf nicht vergessen, dass die Häfen das ganze Jahr über schiffbar waren!) und wichtige Handelsplätze, doch diese Industrien gehörten nicht zum Rust Belt, der viel mehr durch Schwerindustrie, Eisen, Kohle und Stahl als durch Textilien und Handel geprägt ist.

Durch die Erschließung der Steinkohle und Erzreviere in den Appalachen ab 1893 sowie der Eisenerzvorkommen am Ohio River ab 1765 verlagerte sich das Wachstum in das westliche Pennsylvania. Die beginnende Erdölförderung in Titusville (Pennsylvania) ab 1859, die die Grundlage für die spätere Standard Oil Company bildete, beschleunigte den Vorgang zusätzlich. Dies führte zum starken Ausbau des Eisenbahnnetzes in den USA.

Wenn ich dann also in der Zeit etwas weiter weg vom 18. Jahrhundert gehe, sagen wir die Zeit eines Mark Twain und weiter bis hin zu den Eisenbahnen, also sagen wir nach 1870, und ich mir ansehe, wie lange die Dampfschiffe des Mississippi und die Eisenbahnen die die Prärien durchquerten auf Holzfeuer setzten, dann kann es auch 100 Jahre früher nicht all zu weit mit der Kohlebefeuerung hergewesen sein.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
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Re: Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäuser

Beitragvon Albert » So 10. Apr 2016, 20:48

Danke Ike!
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Re: Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäuser

Beitragvon Christoph » Mo 11. Apr 2016, 20:51

"Kohlen=Feuer , im g. L. Kohl=Feuer, glühende Kohlen als ein Feuer betrachtet, im Gegensatze des Flammen=Feuers. Die Knechte und Diener hatten ein Kohlen=Feuer gemacht, und wärmten sich, Joh. 18, 18."

aus: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz (Onlineausgabe)

"Kohlen=Sack. 1. Ein Sack, Kohlen darin aufzubehalten und fortzuschaffen.
2. In den chemischen Oefen, der mittelste Raum des Ofens gleich über dem Roste, in welchem die Kohlen zu liegen kommen"

aus: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz (Onlineausgabe)

Da wäre es interessant herauszufinden, was ein chemischer Ofen ist.
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Re: Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäuser

Beitragvon Pat » Di 12. Apr 2016, 05:33

Wenn ich Chemische Öfen google dann bekomme ich einen Verweis zu einem Rembrandt Gemälde von 1658. Name des Bilde ist "Aktmodel mit Ofen". Das ist leider kein Nachweis für den Chemischen Ofen, aber irgendwie könnte ich mir vorstellen das der Ofen in die Richtung Chemischer Ofen geht. Denn wenn ich weiter suche bei Tante Google bekomme ich ganz viele "Hochöfen" zur Eisenproduktion. Also ein hoher Ofen wie in dem Bild. Weiter kommt man beim suchen dann auch zu Alchemistischen Ofentypen. Bei einem wurde beschrieben:

"Im 16. Jahrhundert kam mit dem sogenannten Bequemlichkeitsofen (auch fauler Heinz oder Piger Henricus genannt) ein Ofentyp in Gebrauch, der über einen gesonderten Schacht für das Brennmaterial verfügte. Aus diesem Schacht rutschte die Holzkohle stetig nach, so dass verbrauchtes Brennmaterial automatisch nachgefüllt wurde."

Aber das alles zusammen ist nur Spekulation. :mrgreen:

http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.zeno.org%2FKunstwerke.images%2FI%2F313D105a.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.zeno.org%2FKunstwerke%2FB%2FRembrandt%2BHarmensz.%2Bvan%2BRijn%253A%2BWeibliches%2BAktmodell%2Bbeim%2BOfen&h=2948&w=2380&tbnid=DYUIjZSaRHLU4M%3A&docid=WADeNHZBK2_aGM&ei=62kMV-b5BYbyUOKcp9AI&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=290&page=3&start=64&ndsp=33&ved=0ahUKEwimm77ZkojMAhUGORQKHWLOCYoQMwioAShDMEM
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Re: Kohlefeuerung Mitte des 18. Jahrh. in engl. Herrenhäuser

Beitragvon Christoph » Di 12. Apr 2016, 08:11

"Ofenkohle , oder Ziegelkohle, eine Art schwacher Steinkohlen, welche nicht so viele brennbare Theile enthält, und deshalb auch nur zu solchen Feuerungen gebraucht wird, wo man keinen heftigen Grad der Hitze anwenden darf. Man findet sie in verschiedenen Steinkohlenflötzen. S. im Art. Pfeil-IconSteinkohle."

auch Krünitz...
Allerdings muss man hier bedenken, dass Krünitz eine Enzyklopädie des deutschsprachigen Raums geschrieben hat, Abweichungen zum angelsächsischen Raum also vorhanden sind. Die Enzyklopädia Britannica könnte dort weiterhelfen.

(ein chemischer Ofen wird bei Krünitz als Ofen eines Chemikers beschrieben.)
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